gestern stand ich in Rosenheim vor einem Raum voller Ärzte und Physiotherapeuten und habe in viele konzentrierte Gesichter geschaut.
So ein Moment ist immer besonders. Vorne stehst du mit dem Mikro in der Hand, vor dir sitzen Menschen, die jeden Tag Verantwortung tragen. Menschen, die behandeln, entscheiden, begleiten, einschätzen. Und zwar oft nicht irgendwann, sondern genau dann, wenn es darauf ankommt.
Während ich gesprochen habe, musste ich an etwas denken, das im Spitzensport völlig selbstverständlich ist:
Wenn sich ein Athlet schwer verletzt, dann müssen plötzlich alle funktionieren. Vom Erstversorger über den Operateur bis zur Reha, zur Physiotherapie, zum Trainer und natürlich zum Athleten selbst. Da greift ein Rad ins andere. Schnell, klar, konzentriert. Jeder weiß: Jetzt braucht es 100 Prozent.
Und dann habe ich den Gedanken in den Raum gestellt, der mir wichtig war:
Ist das eigentlich nur im Spitzensport so? Oder geben wir auch bei jedem anderen Menschen, den wir behandeln, diese 100 Prozent?
Nicht nur fachlich. Sondern auch innerlich.
Sind wir in dem Moment wirklich klar im Kopf? Wirklich da? Oder sind wir schon beim nächsten Termin, beim nächsten Patienten, beim nächsten To-do?
Warum ich dir das erzähle?
Weil genau darin für mich der eigentliche Punkt liegt.
Im Skisport entscheidet am Start nicht nur Technik. In dem Moment, in dem das Startstangerl aufgeht, braucht es innere Ruhe. Der Kopf darf nicht springen. Da ist keine Zeit für Nebengeräusche, Zweifel oder innere Unruhe. Da braucht es Präsenz.
Und genau das gilt auch in einer Praxis. Vielleicht nicht auf dieselbe Art wie am Start eines Rennens. Aber im Kern ist es sehr ähnlich. Auch dort arbeitet ein Mensch mit einem anderen Menschen. Auch dort braucht es einen klaren Kopf, Ruhe im System und volle Aufmerksamkeit.
Ich habe in meinem Vortrag deshalb auch von meinem eigenen Fußbruch erzählt. Nicht nur von der Verletzung selbst, sondern von dem, was danach passiert ist: wie reibungslos alles ablief und wie spürbar es war, dass die Menschen, die mit mir gearbeitet haben, bei der Sache waren. Klar. Wach. Konzentriert.
Genau das macht einen Unterschied.
Denn nach einer Verletzung, nach einer Operation oder auch nach einem Unfall geht es nicht nur um den Körper. Es geht auch darum, was ein Mensch innerlich erlebt. Schock. Anspannung. Alarm. Und solange dieser Zustand im System festhängt, wird es schwer, wirklich in die Regeneration zu kommen.
Deshalb arbeite ich mit Sportlern nach schweren Verletzungen nicht nur an der Rückkehr in ihre Leistung, sondern auch an der mentalen Seite: den Schock verarbeiten, in Ruhe kommen, das Nervensystem beruhigen. Denn erst dann bekommt der Körper überhaupt die Chance, wieder sauber zu regenerieren.
Und das betrifft nicht nur Leistungssportler.
Das betrifft genauso Menschen, die nach einem Autounfall neben sich stehen. Menschen, die nach einer Operation zwar medizinisch versorgt sind, aber innerlich noch immer unter Strom stehen. Menschen, bei denen äußerlich schon viel getan wurde, während innerlich noch längst nicht wieder Ruhe eingekehrt ist.
Was du daraus mitnehmen kannst:
Ein klarer Kopf ist nicht nur im Wettkampf wichtig, sondern in jedem Moment, in dem du mit Menschen arbeitest.
Gute Abläufe allein reichen nicht immer aus. Auch der innere Zustand spielt eine Rolle.
Regeneration beginnt nicht erst bei der Behandlung, sondern auch dort, wo ein Nervensystem wieder aus dem Alarmzustand herausfindet.
Was im Spitzensport längst mitgedacht wird, kann auch für andere Patienten enorm wichtig sein.
Wenn du in deiner Arbeit mit Verletzten, Operierten oder Menschen nach belastenden Ereignissen immer wieder merkst, dass da mehr mitschwingt als nur das rein Körperliche, dann lohnt es sich, auch diesen Bereich anzuschauen.
Schreib mir gern, wenn dich das Thema interessiert oder du wissen möchtest, wie ich in diesem Bereich arbeite.
Herzliche Grüße
Hilde
info@gesundheitscoaching-hildegerg.de